Der Ball über den Wolken im Hotel Atlanticwie es begann

„Glanzvoll“ – „ein richtiges Fliegerfest“ – „ein glänzendes Gesellschaftsspiel, vielleicht das schönste dieses Winters“ – „kostbare Roben, schönste Blumenarrangements, Prominenz aus aller Welt“ – mit diesen Worten beschrieb das Hamburger Abendblatt in den 1950er Jahren den Ball über den Wolken. Wie war wohl die Stimmung in der Freien und Hansestadt Hamburg und in der Luftfahrt zu jener Zeit, als der Ball ins Leben gerufen wurde?

Gegründet und veranstaltet wird der Ball 1950 von der Hamburger Flughafenverwaltung, dem Hotel Atlantic, den sieben Hamburg anfliegenden Luftverkehrsgesellschaften und der Gemeinschaft der Hamburger Luftfahrt-Agenten. Auch der SKAL Club Hamburg stieß dazu. Der Ball soll der Anknüpfung freundschaftlicher internationaler Beziehungen dienen – in einer Zeit, in der Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch nicht seine Lufthoheit zurückerhalten hat. Deutsche Flugzeuge und Piloten dürfen noch nicht wieder fliegen, der Flugverkehr wird ausschließlich von den Besatzungsmächten durchgeführt. Immerhin dürfen seit der Währungsreform auch Deutsche gegen D-Mark-Bezahlung wieder als Passagiere fliegen – bis 1949 mussten sie noch bis zur letzten Minute im Falle des Auftauchens eines dollarzahlenden US-Amerikaners ihren Platz an diesen abtreten. Nach der Währungsreform haben die Amerikaner nun Anweisung gegeben, deutsche Passagiere gleichwertig zu behandeln.

So öffnet sich in den 50er Jahren Schritt für Schritt auch für die Deutschen wieder das Tor zur Welt der Luftfahrt. Das ist besonders gut in Hamburg zu spüren. Der Hamburger Flughafen hat bereits zu Beginn der 50er Jahre wieder Verbindung mit der Welt und erfüllt eine Brückenkopf- und Drehscheibenfunktion nach West-Berlin und Skandinavien. Der Frankfurter Flughafen ist zu dieser Zeit dagegen nur für innerdeutsche Zwischenlandungen vorgesehen.

Die 50er Jahre sind für Hamburg von Meilensteinen in der Luftfahrt geprägt: 1950 geht die Flughafenverwaltung wieder in deutsche Zuständigkeit über, 1953 dann auch die Flugsicherung. Der Hamburger Flughafen wird als einer der ersten Flugplätze West-Deutschlands mit der modernsten Radar-Landeanlage ausgerüstet. 1953 ist die Deutsche Lufthansa neugründet worden – 1954 wird in Hamburg das Richtfest für die neue Lufthansa-Werft gefeiert: Hamburg ist jetzt der Heimathafen der Deutschen Lufthansa. Das bietet vielen Hamburgern attraktive Arbeitsplätze in dieser internationalen, lebendigen Branche. Am 1. März 1955 beginnt die Lufthansa mit dem Probeflugverkehr innerhalb der Bundesrepublik. Im April weht auf dem Hamburger Flughafen erstmals wieder die Lufthansa-Flagge mit dem Kranich.

Im Mai 1955 ist es endlich so weit: Mit den Pariser Verträgen erhält die Bundesrepublik Deutschland die volle Souveränität und Lufthoheit zurück. Ab jetzt kann die Lufthansa ihre neuen Europa-Linien aufnehmen. Die Strecken nach London, Madrid und Paris werden mit feierlichen Ansprachen eröffnet. Neben München und Frankfurt soll sich Hamburg zu einem Hauptplatz für den Amerika-Verkehr entwickeln. Die sogenannten Luftkreuzer fliegen die Linie Hamburg – New York in 21 Stunden. Fliegen ist attraktiv – viele junge Menschen wollen Stewardessen und Piloten werden, und nachdem 1958 die Economy Klasse gegründet worden ist und einige Reiseveranstalter schon Pauschalflugreisen anbieten, wird das Fliegen auch für den „Normalbürger“ erschwinglicher.

Die Luftfahrt steht in den 1950er Jahren also unter einem guten Stern. So ist es kein Wunder, dass in dieser Zeit auch der Ball über den Wolken immer beliebter wird, nicht nur für Gäste aus Hamburg, sondern auch aus Europa und Übersee. 1956 schreibt das Hamburger Abendblatt: „Der Ball gehört nun schon zur Tradition der winterlichen Saison.” Und dies ist auch 2017 ganz besonders der Fall, denn der Ball über den Wolken gilt als der schönste und prächtigste Ball Hamburgs.